Die Melodie von Holz und die Kraft von Farben – Eine Künstlerseele im Portrait

Wie lange habe ich wohl auf dieses leere Textfeld gestarrt..

 

„Es gibt keine Zufälle,

es fällt zu,

was fällig ist.“

 

Anders als bei meinem vorhergehenden Künstlerbesuch, fällt die Begrüßung verhalten aus, wenn auch der Drang da ist, sofort das Händeschütteln zu übergehen. Ich spüre in mir eine Anspannung, weil ich eine 100ig klare Ahnung habe, wie das alles laufen wird und wer mich da erwartet.

Ich gestehe es mir auf jeden Fall noch nicht ein – das kommt dann erst einen Tag später. Selbst am Nachmittag und Abend wische ich das alles von mir weg und stelle die Wahrheit schön weit in die hintere Kammer und gebe mich lieber den Nahrungsmitteln hin. Verdrängung.

Nun sitze ich da und ich versuche schwerfällig die richtigen Worte zu finden. Die ersten, die mir spontan einfallen sind: Kraft und Stärke

Da ich gerade wirklich sehr überwältigt bin, nachdenklich werde und mir innerlich sogar eine Träne übers Herz läuft, kann ich gar nicht mehr genau niederschreiben, wie es anfing.

Wir sitzen lange bei ein, zwei Kaffee und reden einfach über alles, was Leben bedeutet. Eine Geschichte breitet sich in mir aus und die immer wiederkehrenden Pausen und die Stille dazwischen, fühlen sich an wie ein: „Hu, hast Du gewusst, ja? Haut es Dich jetzt trotzdem aus den Latschen?“

In mir wird es still und ich sehe ihr Leben vor mir, ganz nah neben dem meinen.

Katja hat ihre Werkstatt „Knopf’s Holzwerkstube“ seit ca. 4 Jahren auf der Oststraße 55 in Kamenz. Seit Juli diesen Jahres gehört auch ein gemütlicher kleiner Laden zu dieser dazu. Doch eigennützig ist sie auf keinen Fall! Nicht nur ihre eigenen Arbeiten finden Platz in den Regalen. Verschiedene Werke, von Näherei, Malerei bis hin zu Keramikkunst, haben sich positioniert und prägen den kleinen Raum. Trotz seiner räumlichen Überschaulichkeit, muss man einfach mehrmals hineinhuschen und sich alles genau angucken, denn die Liebe zum Detail ist unverkennbar, aber so allgegenwärtig, dass einen doch auf dem ersten Moment erschlägt, im positiven Sinne.

Ich hatte schon vor längerer Zeit, nicht persönlich, aber über mehrere Ecken Kontakt mit Katja. Noch bevor ich sie persönlich kennenlernen darf, zogen zwei ihrer Arbeiten daheim ein. Ein wundervoller Stiftehalter, in Form des Maulwurfs und mein täglich Frühstücksbrettchen mit Alf. Ich wusste nichts über sie, außer dass sie Kraftsport betrieb und das erste mal kamen Fragen in mir auf. Traurig, dass man sofort Gedanken hegte, wie „Kraftsport….. so… grobmotorische Sachen und dann eine derartig filigrane Arbeit?“

Und an diesem Tag steht eine aufgeweckte, viel lachende Katja vor mir. Aufgeschlossen, mit sonnigem Gemüt und erzählt mir, dass es nicht immer so war. Es fing klein mit einer Werkstatt in der eigenen Wohnung an, erweiterte sich ins Hinterhaus des Wohnhauses, bis sie, nach der Trennung ihres damaligen Partners, ins Nachbarhaus einzog. Mit Wohnung und Werkstatt gleichermaßen. Total ungeplant und total richtig. Sie kündigte ihre damalige Arbeitsstelle, bereits vor ihrem Auszug aus der alten Wohnung und geriet oft an Zweifel ihrer Mitmenschen.

Alles war auf einmal neu. Die Würfel waren neu gefallen, alle Türen standen offen, alte hatte sie hinter sich geschlossen. Sie war fortan ihr eigener Chef. „Manchmal muss man einfach machen, ob es nun schief geht oder nicht“, erklärt sie strahlend. Es bleibt nicht als großes Geheimnis stehen, wer sie einmal war, doch viel mehr erzählt sie stolz über ihr jetziges Leben.

„Ich kann jetzt eigentlich erst sagen, dass sich das alles richtig gut anfühlt und es mir gut geht!“

Eine Charakterfrau sitzt mir gegenüber, in sich ruhend und zufrieden. Ein unheimlich weitreichendes Bewusstsein bietet sich mir dar. Ich bin beeindruckt und fühle mich wohl, fühle mich auch derart positiv ergriffen und ein wenig erschlagen, dass ich auch oft innehalte und sacken lasse.

Die Kraftsportlerin, die so viel mehr Stärke, als „nur“ die körperliche besitzt. Sie packt das Leben an, nicht nur das Holz, aus welchem sie ihr eigenes schnitzte. Sie malt nicht nur Werkstücke bunt an, sondern ihr eigenes, sich selber erschaffenes buntes Leben.

„Wo gehobelt wird, fallen Späne“, schießt es mir immer wieder durch den Kopf. Das Leben ist nicht immer „sauber“ und „bequem“. Es fühlt sich nicht immer „leicht“ an und schmeckt auch nicht immer „süß“. Aber das muss es auch nicht. Darin sind wir uns beide einig. Ich bin mir sicher, dass sie ihren Weg weiterhin so tapfer und selbstbewusst, voller Feingefühl gehen wird und freue mich auf unser baldiges Wiedersehen, in ihrer wundervollen Welt! 🙂

2 Gedanken zu „Die Melodie von Holz und die Kraft von Farben – Eine Künstlerseele im Portrait

  1. Sehr ergreifend…urig..und hat mich total neugierig auf diese Persönlichkeit Katja gemacht. Auch wie du wieder die Worte dazu gefunden hast….Josi. Ich bin begeistert

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