Zeitlos – Die Seele eines Erschaffers im Portrait

16. Dezember 2017 – Vorweihnachtsgeschenk

Ich war auf der Suche nach DER Karrosse für DAS Bild. Dieses eine Bild, welches sich in meinem Kopf manifestiert hat. Es war ein Samstagabend, die Beine schwer vom Wein, die Couch einfach nur zu attraktiv und Google lief heiß. Bis ich zu YouTube weitergeleitet wurde und mir ein V8 entgegenröhrte.

Die Hülle dieses blubbernden Motors stand jedoch nicht Übersee, sondern war quasi direkt vor der Haustüre, könnte man beinahe sagen – in Berlin. Die, damals noch matt-schwarze Chevelle, zeigte sich sowohl optisch, als auch klanglich, von ihrer besten Seite und verursachte eine ordentliche Gänsehaut. ..bis hin zum Krampf im Nacken. Ordentliche Leistung!

Den Rest des Abends durchforstete ich unzählige Videos, war augenblicklich ein unglaublich glückliches Nervenbündel und schwor mir eines: Ich MUSS nach Berlin zu Special Cars und verfolgte ab da jeden Eintrag und jede Bewegung, die sich im Fuhrpark tat. Bis die erste Meldung über den Saisonabschluss bei Facebook auftauchte und meinen Terminplaner für diesen Tag sperrte – bis dato traute ich mich nicht einfach vorbeizufahren, schließlich will man ja nicht zur Verhinderung der motivierten Arbeit vor Ort führen..

Der Tag des Saisonabschlusses am 21. Oktober 2017 war ein reiner Nerventanz. Auf dem Berliner Ring wurde ich unausstehlich hibbelig. Als ich dann von der Autobahn aus schon meinte die Hallen zu entdecken, war es ganz aus und klatschte nur noch summend vor mich hin und kicherte und war einfach zittrig nervös und mir war schlecht vor Aufregung – so viele Schönheiten komprimiert und dann noch zum Kauf.. Ich war unglaublich angespannt, aber im positiven Sinne.

Einige Stunden gingen ins Land und so richtig gehen wollte ich nicht, aber man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist und ich hatte eine reiche Ausbeute und dachte mir eigentlich noch gar nichts bei…..

Ich würde wiederkommen.

Nach erfolgreicher Sichtung fasste ich mich kurz mit der Albenbeschreibung und wusste weder wo beginnen, noch was ich groß dazu sagen sollte – würde man mich ohnehin als Irre beschreiben, wie man bei ein paar „Metallklumpen“ so emotional reagieren kann. Ich schickte den Link zum Album und später auch einen Dropbox-Link zu Frank nach Berlin, vielleicht könne er ja etwas mit anfangen – freut mich ja auch, wenn andere sich über das freuen können, über was ich mich freue.. 🙂 Und plötzlich bot sich die Möglichkeit, diesen herrlichen (Obacht!! 🙂 ) Ort noch einmal in aller Ruhe zu besuchen..

Es war beinahe noch in der Nacht, als ich nach Berlin aufbrach, zumindest gab einem der Wintermorgen, frostig-frisch, zappenduster, diesen Eindruck. Am Vorabend noch gebibbert, ob ich überhaupt fahren könne, rollte ich, mit Heizung auf Anschlag, bei lauter Musik, an einem Samstagmorgen, beschwingt auf die Autobahn und war einfach nur voller Freude und gespannt und neugierig und eigentlich alles zeitgleich. Bis dato hatte ich über Nachrichten schon viel über das Unternehmen erfahren können und war dennoch wissensdurstig und dankbar, dass ich die heiligen Hallen nun einfach noch einmal betreten könne, ohne viel Tammtamm ringsherum.

Ich musste unglaublich schnell gefahren sein, denn lange brauchte ich nicht. Nach ca. 1,5h rollte ich ein und mir wurde auch schon die „Himmelspforte“ geöffnet und irgendwie feixte ich innerlich vor mich hin, als ich da meinen Schwarzen Peter so neben diesen Ami-Karren stehen sah, stand jedoch weiterhin zu meinem Auto, wenn auch ich ihn jetzt paar Stunden einfach mal vergaß..

Zwei Kaffeelängen später ging es erst einmal quer übers Grundstück und es wurde viel geschnattert und gelacht und erklärt und ich war nach kurzer Zeit einfach nur ein fetter Schwamm, der eigentlich schon gar keine Informationen aufnehmen konnte, aber unbedingt wollte und so war gegen Mittag und nach der ersten Kundschaft, die sich blicken lies, dann erst einmal ein Stop und ich schlawänzelte brav mit durch die Hallen, lauschte den Gesprächen, seilte mich hier und da ab, um einige Wagen immer und immer wieder anzusehen und zu fassen (man war das schwer die Hände still zu halten!).

Nach einer weiteren Kaffeepause dann im Showroom das erste seufzende Niederlassen mit meiner Kamera.. es war recht frisch, auch wenn Camarao und Chevelle bedeutend das Herz erwärmten. Dennoch kroch ich am Boden herum, verharrte ab und an und blickte einfach nur auf den Lack des Torino..

Die Kälte und meine strapazierten Augen zwangen mich immer mal für eine Pause im Büro in die Knie, aber das war nicht unbedingt schlimm, denn Fotoalben und 10000 Worte, mindestens, später, ging es kurz weiter..

…. bevor ein Blick auf die Uhr die Abfahrt einläutete – die Zeit war gänzlich in dem Bruchteil einer Sekunde verflogen.

Es fiel mir schwer, den Ort zu verlassen, welcher bereits durch wenige Fotos und Videos aus dem Internet, mein Herz hat höher schlagen lassen und an dem ich mich sofort wohlfühlte. Eine stille, glückliche Heimfahrt wurde es..

Ich dachte viel darüber nach, was Frank dort geschaffen hatte und im Kopf war das Chaos so groß, wie alles über Jahre hinweg groß und größer wurde und ursprünglich aus einer Sportwagenvermietung entstand. Irgendwann trabten die ersten Mustangs ein und fand so viel Anklang, dass man nun Nachrichten von Frank lesen darf, dass er kaum noch weiß wohin, weil kaum Platz.

Mir gefiel besonders der Gedanke, wie herrlich das sein muss, dies alles vor der Haustür zu haben und abends durch die Hallen zu schreiten. Mit Genuss berichtet er mir davon und ich kann nur erahnen, wie sich das anfühlt. Dieser Lebemensch, und dafür bin ich unendlich dankbar, gab mir einen herrlichen Einblick und ich durfte mitfühlen, was dort wertvolles, nicht nur in Geld gerechnet, in Berlin-Neuenhagen steht. Vor meinem inneren Auge schwebten auf der Heimfahrt Bilder und Geschichten aus seinem ganzen Leben und ich versuchte einfach erst einmal nur zu verstehen und war einfach maßlos übersättigt.

Kälte, Licht und Zeit hatten uns an diesem Tag jedoch so in die Knie gezwungen, dass der bereits zweite geplante Besuch, mehr als von Nöten war..

 


 

30. Dezember 2017 – Feuerwerk vor Silvester

Es war keine Fahrt mehr ins Ungewisse und nun mit dem Wissen, dass man dies und jenes Auto wiedersieht, wieder genau weiß, dass so viel Zeit mit Schnatterei draufgeht und dies da und dort ist.. hatte es schon beinahe was von nach Hause kommen..

Das Wetter war alles andere als ekelhaft, zumindest Vormittag/Mittag nicht und so stand man nach wieder zwei Kaffeelängen wieder in der großen Halle, und während abseits gewuselt wurde, stöberte ich durch „alte Bekannte“ und die Neuankünfte, die frisch in der Halle geparkt standen, und lies mich absolut treiben und sah mich abermals damit konfrontiert, dass einen letztenendes wieder die Karossen einluden länger zu verweilen, bei denen man es am wenigsten erwartet hätte..

Ich ging zum anderen Ende, wieder zurück, probierte zig verschiedene Winkel aus, saß einfach nur auf der Ladefläche eines Ford Pickup und blickte über diese Ansammlung an Autos, an Wert, an Schönheit, seuzfte mehrmals zufrieden vor mich hin, strahlte, stierte, grübelte – mich übermannten allerhand Gefühle und Gedanken und ich lies es einfach zu..

Immer wieder schlich ich zwischen jedem einzelnen umher, blickte über die Dächer, strich vorsichtig über die Hauben und schätzte mich so glücklich, diese Möglichkeit zu haben. Wie schnell die Zeit verging, wurde bewusst, als Frank zur Ausfahrt rief und die Chevelle endlich im Freien stand.

Und dort merkte ich auch wieder, wie schnell 1,5 Stunde einfach mal weg sein kann und dabei hatte man sich nicht einmal soooo weit bewegt.

Entspannt und doch so kraftvoll, blubberte die schwarze, glänzende Schönheit vor sich hin. Die ersten Meter empfand ich noch als sehr abenteuerlich und ich gestehe, jede Bewegung, und ich fuhr nicht selber, betrachtete ich noch mit Argwohn und ich konnte nicht so recht entspannen. Schaukelei, behäbig um die Kurven und gemütliches von dannen ziehen.. Erst einige Zeit später lies ich mich was entspannter in den Sitz und beobachtete Bäume und Wolken im vorbeiziehen und lies einfach den Charakter der wunderschönen Lady auf mich wirken.

Zack, die Zeit war weg und der Anruf durch Kundschaft, die bereits vor Ort wartete, holte mich aus dem Chevelle-Himmel zurück.

Es verstrich viel Zeit und ich beschäftigte mich ein wenig in der kleinen Halle und setzte mich mit einem Kaffee ein klein wenig zwischen die herrlichen Wagen aus alter Zeit und träumte vor mich hin. Ich hätte dort ewig so sitzen können und es verstrich auch reichlich Zeit, bevor die Kälte mich beinahe an den kühlen Lack band. Ich nahm so viele Details wahr und genau diese Momente waren unter anderem so wertvoll und wohltuend, wie der Moment vor der Abfahrt und Beendigung des wunderschönen Tages Nr. 2: Die „Ponies ins Bettchen bringen“ – die Beleuchtung der Halle wurde angeschalten und ich kann den Moment schwer beschreiben, denn irgendwie hatte es was magisches, dort im Licht der Leuchtstoffröhren, die sympathischen Straßenflitzer glänzen zu sehen – ja man könnte schon meinen, dass sie wirklich selig einschlummerten und auf den Tag warten, an dem ihr Besitzer auftaucht und sie auf ihre Fahrt um die Welt mitnehmen.

Und mögen sie alle diesen Besitzer finden, der sie entführt und ihnen das gönnt, wozu sie gemacht wurden: Fahren – ihren Charakter in die Welt fahren und sich und anderen einen herrlichen Anblick verschaffen.

Denn bei diesen Wagen kann man noch von Individualität und Charakter sprechen – die Liebe zum Detail ist unübersehbar, ein jedes steht für sich.

Frank verbringt jeden Tag mit diesen brummenden, sympathischen Wagen und ist ein perfektes Beispiel, für einen Genussmenschen 🙂

Sei es Geschwindigkeit, „einfach machen“ oder die Zeit vergessen – was er dort geschaffen hat, ist in jeder Hinsicht ZEITLOS. Autos, als auch die Zeit vor Ort, die einfach verschwindet, als hätte man sie nie gehabt. Man kann stundenlang lauschen, umherblicken und zwischen all den hunderten Seufzern dankbar sein, die Zeit dort verbringen zu dürfen.

Ein Ort, der Herzen zum beben bringt, ein Ort, an den man sehr gerne wiederkommt und ich nur schwer empfehlen kann.

Nehmt euch die Zeit, um euch diese rauben zu lassen und wenn ihr das nötige Kleingeld habt, dann gebt einem Pony oder seinen fern verwandten Artgenossen doch ein Zuhause.

Bei Frank und seinen Jungs von Special Cars Berlin werdet ihr auf jeden Fall fündig!

Special Cars Berlin

..bin auch irgendwie hängengeblieben ….. 🙂

 

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