Die Frau in Weiß – Die weiße Frau

 

Es ist das erste Wochenende des neuen Jahres. Draußen ist es angenehm – keine Minusgrade, kein Frost, kein Wind weht und lässt einen erschaudern..

Ich fahre schon zeitig in Richtung Bautzen. Doch mein Weg endet bereits eher…. Im Gepäck mein mit drei Kameras bestückter Rucksack, mein Stativ, die Blende und ein weißes Kleid.

In Uhyst muss ich nicht lange suchen, denn ich war bereits zweimal da. Am Schloss von Uhyst. Einem wunderschönen, verlassenen alten Schloss.

Zum letzten Fototermin vor Ort, war der Park herrlich grün und die Sonne schien – ich hielt mich mit Maria eine ganze Weile schwärmend und träumend dort auf. Es war ihr Schloss, keine Frage. Beide begegneten einander und reichten sich die Hände. Mein Zutun war nicht erforderlich – die Bilder wurden wunderschön..

 

Erneut suchen wir das Schloss auf. Dank der lieben Eigentümer, erhalte ich den Schlüssel und darf nun für ein paar Stunden Schlossherrin sein. Und ich finde, dem Peter steht ein solcher Parkplatz sehr gut und in meine Hand passt so ein Schlüssel wirklich herrlich gut – mein damaliger Zimmerschlüssel hatte die gleichen Formate. Es wäre also nichts Neues…..

Wir sind mit Kerzen bewaffnet und verschiedenen Halterungen. Kurz nach Betreten des Gemäuers ist uns nun klar, dass wir die wenige Wärme auch dringend brauchen. Eisekalt ist es! Als tät eine ganze Horde Geister hier leben. Doch wir beide sind die einzigen, die hier herumgeistern.

Das Schloss hat leider nur noch wenig seines alten Charmes, vieles wurde im Laufe der Jahre verbaut. Aber sein Charakter ist noch erkennbar und wir schleichen erstaunt durch die Gänge und schreiten die Treppen hinauf und hinab. Ein Lauschen in die Stille verrät, dass die Schönheit tief und fest schläft, seine Besucher nur mit sachter Hand begrüßt.

Zum aufwärmen gehen wir nach draußen, laben uns an der milden Luft, bevor wir wieder hinter den stiebigen Fenstern verschwinden.

Es ist die Geschichte um die weiße Frau, die mich zu diesem Shooting inspirierte.. Die Erscheinung, die Unheil vorhersagt, warnt. Ihr Antlitz und Geschichte faszinierte mich als Kind, als sie mir in einem Buch begegnete. Als Jugendliche beschäftigte ich mich eingängiger durch wilde Streifzüge durch verlassene Häuser. Vor einigen Jahren sah ich das Gemälde ‚Die Weiße Frau‘ von Gabriel von Max in der Ausstellung ‚Schwarze Romantik‘ in Frankfurt am Main. Ich war verliebt! Sofort! Das war die weiße Frau! Genauso stellte ich sie mir vor.

Nun stehe ich hinter der Kamera und erfülle mir einen kleinen Wunsch – die weiße Frau zu portraitieren.

Maria bewies mit dem ersten Shooting, wie sanft ihre Seele ist, in sich ruhte und mit wieviel Herzenswärme sie in die Welt hinausstrahlt. Die weiße Frau, aus dem Ursprung, Kunigunde von Orlamünde, war ganz anders.. Doch ich selber sah die weiße Frau auch nicht mit dieser fürchterlichen Geschichten, dem grauenhaften Hintergrund.

Ich sah sie anders, und ich sah Maria. Sie schlüpfte perfekt in diese Rolle. Das Beisammensein mit ihr ist sehr angenehm und wohltuend. Ich für meinen Teil kann es so beschreiben, dass sie die Ruhe in sich aufzeigt und mit ihren Händen reicht. Philosphierend vergehen Stunden und das innere Glück blüht in den schönsten Farben auf. Wenn ich das Portrait der weißen Frau betrachte, verschafft es mir auch ein ähnliches Gefühl. Sie wirkt auf dem Gemälde so ruhend, so zufrieden und alles andere als schauderhaft.

Dennoch haben wir uns einen kleinen Spaß erlaubt und ein Gruselbild entstehen lassen….. 🙂

Kommt mir zur weißen Frau.. in kalte Gemäuer..

 

„Gehüllt in weiße Witwentracht,
in weiße Nonnenschleier,
So schreitet sie um Mitternacht
Durch Burg- und Schlossgemäuer,
Die bleichen Händ‘ ins Kreuz gelegt,
Auf flachen Busen unbewegt,
Den Blick gesenkt zur Erde,
Mit starrer Leich-Gebärde.
Die Weiße Frau! Sie allbekannt,
Zuerst geseh‘n in Frankenland.“

(C) Margin Waehler 
 

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