Mein Durchbruch, sein (Durch)Bruch – ein murmelig-stylistisch rumpeliges Wochenende

Ostern ist für mich ein Fest, wie für andere wohl Weihnachten – das mag ich richtig festlich. Und ich liebe es, wenn österlich, nicht übertrieben, liebevoll dekoriert ist und könnte stundenlang Eier färben und danach sofort alle aufmampfen. Meinetwegen könnte jeden Tag Ostern und Frühlingserwachen herrschen! 🙂

Und weil Ostern so besonders für mich ist, fuhr ich zu Ostern aus der Hochburg des Osterfestes weg – vollkommen klar! Was sonst! .. und suchte „mein“ Ostern in einer Stadt, die ich bereits als Weihnachts- und Herbststadt kennenlernen durfte: im wunderschönen Monschau, in Nordrhein-Westfalen.

Der, im wahrsten Sinne des Wortes, Trip, began am Morgen des Ostersonntag, noch vor Morgengrauen. Die wundervolle Pops wärmende Sitzheizung meines gar herrlichen Schwarzen Peter huschelte mich dann aber doch irgendwann mit dem ersten Tageslicht so ein, dass ich auf einem Rastplatz für schlummerige 40 Minuten einkehrte. Doch dann ging es zielgenau Richtung Burg Eltz. Nach diesem aufschlussreichen Kurzbesuch, würde ich es als „Nothing Eltz matters“ bezeichnen.. Denn die Führung lies mir den zweiten Raum, dann musste ich abbrechen, weil mein Körper gar wundersame Sachen mit mir veranstaltete und ich ohne Zutun von alkoholischen Getränken so viele Umdrehungen wahrnahm, dass ich nichts anderes mehr wollte, als das Drehen der Räder des Schwarzen Peters und seine wundervolle Pops wärmende Sitzheizung. Also blieb Burg Eltz für mich als angeschnittene Salami, mit wenigen Aufnahmen, weil ich einfach nicht aufnahmefähig war..

Die Weiterfahrt bis Monschau wurde holperig-pausenbelastet. Doch je näher ich der sympathischen Stadt kam und dem nicht weit entfernten Moor, umso mehr jauchzte und sprang mein Herz beinahe über. Ich erkannte einzelne Stellen wieder, erinnerte mich an die ersten Besuche und schwelgte etwas in Erinnerung.

Mit Erreichen von Monschau wurde dann die erste Aufgabe auferlegt: Finde einen Parkplatz und verstehe seinen Ticketservice. Oder: Wie man ohne Kleingeld über eine Anwendungssoftware des Handys sein Parkplatzticket bucht. Die zweite Aufgabe war damit verbunden: Finde dich damit ab, dass dein Auto nicht in Sichtweite, auf einem ungesicherten, nicht überwachten Parkplatz steht, paar Meter weiter weg, als du es jemals über Nacht ertragen musstest. (so stelle ich mir eine Mutter vor, die ihr Kind das erste mal im Kindergarten abgibt, bei mir haha)

Draußen ist es frisch, also kann ich schwer unterscheiden, ob ich zittere, weil ich mir zu wenig übergeworfen hatte oder ob mich doch Panik beutelte. Die aufregende Unterkunft schaffte erst einmal Abhilfe und der erste Rundgang durch die wunderschöne Stadt, die ich mit den wachesten Augen, seit Erfindung des Weckers wahrnahm und ich fand viele viele „Ostereier“ in der Stadt mit dem Weihnachtshaus. (ich habe zum Ostersonntag kein Weihnachtszeug gekauft – bin da ohnehin nicht so der Fan von und hätte es als Blasphemie verstanden..

Doch das beschauliche Monschau hielt sich österlich doch noch sehr bedeckt. Ich schien zu weit von „Osterland“ entfernt.

Und dann stand da diese Tür auf…. einfach so.. was will man schon tun.. wenn sie schon so aufsteht..

Alle anderen liefen vorbei, schauten aber schon ein wenig erfürchtig oder auch ein wenig ängstlich an ihm hoch. Ich muss zugeben, es war wirklich sehr groß und man konnte sich da allerhand Schaudergeschichten hineindenken. Und auch ich lief nur bis zu den ersten Türrahmen. So ganz geheuer war mir dies wunderschöne Holzhaus nicht. Es war riesig und alt und wer weiß, wie der Zahn der Zeit an ihm genagt hatte.. Ich belies es auch nur bei einem Blick auf die Treppe nach oben.

Mein kleines Osterwunder.. bald!

Nach allem Moder und grauen Schiefer, kehrte immer mehr bunt ein. Ich wusste noch um eine Gasse, die mir besonders zur Herbstzeit den Atem geraubt hatte. Ein jeder Winkel, ein jedes Haus individuell geschmückt und dekoriert und gestaltet und einer Seele behaucht. So auch zu diesem Besuch.

Ich konnte mich kaum satt sehen und sowie die Rur überquert war, fing der Osterzauber so richtig an – ich kam keinen Meter, ohne dass ich nicht staunend und den Finger auf den Auslöser drückend stehen blieb. Meine Blicken schweiften und meine Seele machte sich selbstständig und zog kichernd über Kopfsteinpflaster und durch das Gässlein.

Vor einem alten, sehr niedrigen Fenster blieb ich länger stehen und betrachtete die aufgestapelten Bücher dahinter und träumte mich schmunzelnd in die warme Wohnstube oder das kleine Arbeitszimmer. Kurz darauf tauchte eine Galerie vor mir auf. Wunderschöne Bilder aus dem Moor und anderen schönen Ecken der Gegend platzierten sich vor mir, ‚Mon Art Galerie‘ hüpften die Buchstaben über meine Linsen. (sehr zu empfehlen, auch wenn ich nur von draußen geierte). Weitere kleine Aufmerksamkeiten und Details schmückten und säumten den Weg bis zum Marktplatz und dem ersten Kaffee.

Etwas grauer zeigte sich wieder das kleine Städtlein an der Rur. Viele kleine Gässlein mit Brücken und unscheinbaren Flussläufen durchzogen die uralten Häuser, die eindrucksvoll nebeneinander thronten und sich gegenseitig zu stützen schienen. Als es schien, als könnte es nicht grauer werden, tat sich wohltuende Farbe auf, kurz bevor die warme und trockene Unterkunft wieder lockte.

Genau das liebe ich so an dieser Stadt: man lässt sich auf das viele Grau ein (zudem erlebte ich die Stadt bisher wirklich nur zu solch herbstlichen Wetter, wie auch an diesem Wochenende..) und dann springt einem ein fröhlicher Farbtupfer entgegen und umarmt einen liebevoll, sodass man rundherum alles vergisst. Grandios!

Als die Nacht über Monschau hereinbrach, wurde es sehr sehr still! Es hatte ein wenig von Nosferatu und eigentlich war mir doch auch sehr nach Spukklamauk, wenn der Hunger und der Durst mich nicht so übermächtig in ein knarzig-uriges Lokal, Zum Haller, gezerrt hätten. Eine sehr sehr leckere Pizza und paar Bier in den ersten Morgenstunden des Ostermontages, zog die Sehnsucht zum Schwarzen Peter. Unter wärmenden Einfluss von etwas Alkohol, lief sich der Weg doch recht gut und nach kurzem Eintreten in der Unterkunft, zog es mich wieder nach draußen und ich musste, ja ich musste, ich konnte gar nicht anders!!!, unbedingt noch einmal zum großen alten Haus, was garantiert nur heute und nur für mich Tag der offenen Tür feierte. Gar garstig ist die Neugier und Sucht, nach alten Seelen…..

Ich hatte jegliche Scheu vor maroden Holzbalken und Treppen verloren und kroch behände die Treppen in die erste Etage. Ich schaute mich nicht einmal in dem Erdgeschoss um – nein, ich stürzte nach oben. Erst dort fiel mir meine Taschenlampe ein, nachdem ich etwas auffallend helles vor mir entdeckte. Als das Licht durch den kleinen Flur erstrahlte, auf ein großes Regal gerichtet, stand da nicht allen ernstes ein Osterei vor mir. Ein Keramik-Osterei, was nicht sonderbar hübsch angemalt war, aber größer noch als mein Straußenei, grinste es mich an und es musste in meine Arme.

Ich lies es natürlich, wieder in der Unterkunft angekommen, nicht mehr so schnell aus den Händen. Jauchzte und freute mich und war einfach hin und weg, wie es denn sein kann, dass ich zu meinem persönlichen Fest der Feste, ausgerechnet in einem verlassenen, wunderschönen Haus, ein Osterei finden würde?! Ist das nicht doppelte Beschenkung?!?! Ich war fassungslos.. und wachte trotz nicht wenigen Biergläslein sehr frisch und zum Osterei hüpfend am nächsten Morgen bzw nach ein paar wenigen Stunden wieder auf.

Nach einem unglaublich leckeren Frühstück mit Buffet und sehr alt und antik und österlich gewandet, ging es zum Mekka meinerselbst: dem Hohen Venn. Das kann maximal das Sumpfland um New Orleans toppen, denn dort sprang mein Herz noch einen Zacken höher. Auch dort war ich bereits einmal, aber auf anderer Straßenseite, wo auch mein Schwarzer Peter wieder brav wartete.

Ich wäre am liebsten ins Wasser gesprungen und hätte es noch mehr erfühlt, aber es war kalt und sehr sumpfig 😀

Das trübe Wetter war so passend, so perfekt und stimmungsvoll. Es lud regelrecht ein zu Schaudermärchen und erklärte diesen Ort noch besser, als er sich selber bereits zeigte.

Beeindruckend waren für mich die viele Tümpel und aufgestauten Teiche. Natürlich war ich auch ganz stolz, dass ich das erste mal echte Morrhühner gesehen hatte, wobei ich bis dahin überzeugt war, dass es die nur hier im Dubringer Moor gibt. Doch diese waren größer und grauer und mussten einfach originale Moorhühner sein. Geht gar nicht anders 🙂

Zudem fand ich den Zugang zum Grundstück der Moorhexe, zwischen zwei Birken, durch die der Holzweg weiter führte. Ich war im reinen mit mir selber und wusste, dass dies mein Durchbruch war (bevor ich auf dem Weg den Durchbruch fand) und ich einfach nichts mehr weiter lernen könnte. Ich war da angekommen, wo man im Leben ankommen muss und kann mich nun zur Ruhe setzen und mich einsumpfen lassen (es sei denn, jemand sponsort mir einen Flug zu den Everglades – dann stünde dies hier jedoch als Lüge da..).

Auf dem Parkplatz noch einmal fix etwas Öl dem Peter gegeben und sein heiß geliebtes, immer wieder in den blödesten Momenten verlangtes ‚Wischwasser‘ aufgefüllt und nochmal nach Monschau zur Senfmühle gefahren. Dort setzte ich mein schwarzes Riesen-Ei stilvoll vor einem Lok mit Hängern in Szene, als Dampflok und fuhr zufrieden gen Aachen. Man kann ja nochmal hoch zum Dreiländereck und bissl Stasi-mäßig übers Land spähen. Ob ich am nächsten Tag zeitig raus muss? Egal.. Das passt schon – sind nur knappe 7h bis nach Hause.

Der erste Kreisverkehr in Holland war des Peters Bruch….. Ich könnte schwören, es war ein Kreischen des Schmerzes, welches an mein linkes Ohr stieß. Mein erster Gedanke war „Oh!“, der zweite war „..das muss ich nochmal simulieren.. vielleicht war es nur Zufall“. Doch als ich dann bergauf fuhr, wurde meine Dampflok ein wahrgewordener „Traum“. Erst noch albernd vor den Anhängern, dampfte der arme Kerl die vorbeiziehende Nachbarschaft mit einem ohrenbetäubenden Knallen und Knattern voll – wie halt eine Dampflok. Irgendwo ranfahren und gucken? Ne.. ich wusste was es war.. Kurz war es wieder weg, innerhalb von Aachen, nachdem ich schnell wieder reisaus aus Holland nahm, doch auf der Autobahn schon, ging das Remmidemmi richtig los.

Doch wisst ihr was: Das ist mein Wagen! Wir fuhren uns zusammen ein und schafften noch einmal 638km bis nach Hause. Nur mit kurzzeitigen Angst machenden Geräuschen. Der Termin in der Werkstatt ward noch unterwegs getätigt und seitdem hat mein Herz nun erst einmal Gelenkschonende Pause. Er ist mein kleines zweites Osterwunder, an diesem von Wundern gebeutelten Osterwochenende, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ich bin dankbar für das Osterei, welches von einem Menschen, warum auch immer, dort hinterlassen wurde. Ihm sei gesagt: Du hast mir mit eines der schönsten Ostergeschenke gemacht. Ich bin so unglaublich stolz auf den Herrn Peter, der mit Herbys altem Gelenk noch den Heimweg ganz tapfer und erfolgreich angetreten hat (und dann vier Tage später in der Werkstatt so tat, als wenn nichts gewesen wäre – dafür steht er nun immernoch herum…. haaach krrrr).

So viel zu Weihnachtswunder… Die wahren Wunder geschehen an Ostern! – Spaß! Jeden Tag! 😉

2 Gedanken zu „Mein Durchbruch, sein (Durch)Bruch – ein murmelig-stylistisch rumpeliges Wochenende

  1. Dein Bericht über Monschau und das Hohe Venn gefällt mir sehr! Du hast wundervoll stimmige Aufnahmen gemacht, die die wundersame Atmosphäre dieses schönen Städtchen authentisch wiedergeben. Viele Ecken habe ich wiedererkannt, aber auch neue Blickwinkel entdeckt. Am Sonntag bin ich wieder dort…. im KUK zur neuen Fotoausstellung „Bilder aus dem Osten“, das KUK kennst du sicherlich!
    Monschau und das Hohe Venn, das gehört für mich zusammen, unbedingt. Ich habe das große Glück nur 60 km entfernt von Monschau zu wohnen und es zieht mich immer wieder dorthin. Beinahe hätten wir dort ein altes Häuschen gekauft….
    Würdest du mir verraten wo du übernachtet hast? Ich möchte meinen Mann einmal mit einer Übernachtung überraschen.
    Danke für deine schöne Hommage in Wort und Bild….
    Eine ebenfalls von „Monschaugefangene“

    1. Liebe Susanne
      Ganz lieben Dank für deine lieben Worte und entschuldige die späte Antwort – mir ist es eben erst aufgefallen.
      Gewohnt habe ich im Hotel ‚Graf Rolshausen‘. Absolut empfehlenswert! Wunderschönes uriges Hotel.
      Wird der Stadt sehr gerecht, die ich zum dritten Mal besuchte und absolut nicht enttäuscht wurde!
      Ein Glückspilz bist Du auf jeden Fall! 🙂 Grüße mir die wunderschöne Stadt und das herrliche Venn – mit Grüßen aus dem Dubringer Moor

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